Juni 2021

Ausstellung Uferlos

In Gedanken an der Seite unserer Partnerstadt Herzliya

In den jüngsten Auseinandersetzungen zwischen der Terrororganisation Hamas, der de facto Regierung des Gazastreifens und dem Staat Israel wurden inzwischen mehr als 3.000 Raketen aus dem Gaza-Streifen auf israelische Städte und Ortschaften geschossen. In Gedanken sind wir als Städtepartnerschaftsverein bei allen zivilen Opfern des Konfliktes.

Mehrere hundert Raketen feuerte die Hamas auch auf den Großraum Tel Aviv ab, in dem sich unsere Partnerstadt Herzliya befindet. Die Menschen in Herzliya, wo Jüdinnen und Juden, Muslime, Christ/-innen, Menschen ganz unterschiedlicher Herkunft und Weltanschauung in guter Nachbarschaft zusammenleben, sind daher von den Angriffen betroffen und leben in Angst. Wir stehen an ihrer Seite und hoffen, dass der Raketenbeschuss bald endet, die Waffenruhe hält und wieder friedvolles Leben einkehrt.  

Die jüngsten antisemitischen Ereignisse in Leipzig erfüllen uns mit Schrecken. Wenn offen Hass gegen Juden artikuliert wird und antisemitische Parolen gerufen werden, dürfen wir nicht weghören. Wir müssen uns diesem Antisemitismus entschieden entgegenstellen. Kritik an der Politik eines Staates darf nicht in eine Diffamierung seiner Bewohner und deren Religion umschlagen. Denn wohin Hass und Hetze führen können, sollte inzwischen allen klar sein. Jüdinnen und Juden müssen überall in der Welt sicher leben können, auch und insbesondere in Leipzig.

Für den Vorstand
Christopher Zenker
Oliver Hess
Michael Schmidt

Schalom – Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Leipzig

Aufruf zur Kundgebung am 21. Mai 2021 um 18.00 Uhr

Sie leben unter uns – Menschen jüdischen Glaubens. Wir sind froh und dankbar, dass sich in unserer Stadt nach dem Verbrechen des Holocaust in der Zeit des Nationalsozialismus und seit der Friedlichen Revolution 1989 jüdisches Leben neu entwickelt hat. Wir bejahen die religiöse Vielfalt in der Stadtgesellschaft. Umso erschrockener sind wir darüber, dass mitten unter uns immer wieder Judenhass ausbricht.

Leider müssen wir feststellen: Antisemitismus ist nicht Vergangenheit.
Gesellschaftliche Probleme auf ein „Weltjudentum“ abzuwälzen, Juden für eine angebliche „Weltverschwörung“ verantwortlich zu machen und daraus gewalttätige Judenfeindlichkeit abzuleiten – das richtet mitten unter uns großen Schaden an. Das Leben von Menschen jüdischen Glaubens zu bedrohen, Synagogen zu beschädigen und diese Gewalt mit der Politik der Regierung von Israel zu rechtfertigen, ist unerträglich. All das bedroht das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt und ruft unseren entschiedenen Widerstand auf den Plan.

Lasst uns ein deutliches Zeichen der Solidarität mit jüdischen Bürgerinnen und Bürgern, der Israelitischen Religionsgemeinde und ihren Einrichtungen setzen. Lasst uns eintreten für Toleranz, Gewaltfreiheit und Menschenrechte.

Darum rufen wir auf zur

Kundgebung am Freitag, 21. Mai 2021, um 18.00 Uhr

vor dem Haupteingang des Neuen Rathaus, Martin-Luther-Ring

Es werden sprechen:
Oberbürgermeister Burkhard Jung - Küf Kaufmann, Vorsitzender der Israelitischen Religionsgemeinde - Dorothea Arndt, stellvertretende Superintendentin – u.a.

Es rufen auf:

Oberbürgermeister Burkhard Jung – Ev.-Luth. Kirchenbezirk Leipzig, Superintendent Sebastian Feydt und Pfarrerin Dorothea Arndt – Katholische Propstei St. Trinitatis, Propst Gregor Giele – Förderverein Synagoge und Begegnungszentrum Leipzig e.V., Gisela Kallenbach, Vorsitzende – Städtepartnerschaft Leipzig–Herzliya e.V., Christopher Zenker, Vorsitzender – Jüdisch-christliche Arbeitsgemeinschaft, Dr. Timotheus Arndt, Vorsitzender – Christian Wolff, Pfarrer i.R.

Februar 2021
Austausch und Kontakte auch in Zeiten von Corona


Kontakte nach Herzliya zu pflegen, gelang in den vergangenen Monaten Corona-bedingt nur online. Denn Israel erlebte mittlerweile drei schwere Corona-Wellen, welche zeitweise immer wieder mit umfassenden Lockdown-Maßnahmen begegnet wurden. Auf Ebene der Stadtverwaltungen wurden jedoch viele Informationen über Strukturen und die Arbeit der Gesundheitsämter sowie die jeweiligen Quarantäneregeln online ausgetauscht. Reges Interesse gab es beispielsweise auch für das Test-Konzert im August 2020 in der Leipziger Arena mit Popsänger Tim Bendzko. Dort wollten die Forscher herausfinden, wie sich zum Beispiel Konzerte unter Corona-Bedingungen sicher durchführen lassen können.


In Israel steht am 26. Februar zum zweiten Mal das jüdische Purimfest im Schatten von Corona. Purim erinnert an die Rettung des jüdischen Volkes vor der Vernichtung durch die Perser vor 2500 Jahren. Traditionell wird zum diesem Fest ausgelassen gefeiert. Darüber hinaus soll man, mindestens zwei arme Menschen so beschenken, dass auch sie feiern können. Die Tradition des Helfens am jüdischen Karneval gilt in Corona-Zeiten mehr denn je.


Üblicherweise würde zu Purim in unserer Partnerstadt Herzliya die sogenannte Adloyada-Parade stattfinden. Tausende Menschen säumen die Sokolov und Ben Gurion Straße und bejubeln tanzend und singend einen vorbeiziehenden Festumzug hin zum Platz am Stadttor vor dem Rathaus. Auch Bürgermeister Moshe Fadlon wäre üblicherweise Teil des Festumzugs. Zum Beispiel verkleidet als Peter Pan feierte er schon ausgelassen mit den Bürgern der Stadt. Denn wie beim Karneval verkleiden sich die Menschen, essen, trinken und feiern bei Tanz und Musik gemeinsam. Auch in der Synagoge geht es nicht so ernst wie an anderen Tagen zu. Während aus der Megilla gelesen wird, machen die Kinder auf Rasseln, Ratschen oder Tuten immer dann besonders viel Lärm, wenn der Name des feindlichen persischen Ministers "Haman" fällt.


Auch in diesen Corona-Tagen wünschen wir unserer Partnerstadt ein herzliches Purim Sameach und hoffen darauf, dass wir im nächsten Jahr auch wieder gemeinsam und ausgelassen miteinander feiern können.